Zu Besuch bei Meister Petz

 

Anfang Juni 2021 plante Sven von "Sven Herdt Photography" eine Reise in das finnisch-russische Grenzgebiet um sich mit den im hohen Norden Europas vorkommenden Raubtieren zu beschäftigen. Wie so oft in letzter Zeit musste diese Unternehmung aufgrund eines bestimmenden Themas verschoben werden.

 

Als Alternative organisierte Sven spontan einen Besuch in Slowenien, dem Land mit der höchsten Dichte an Braunbären in Europa. Auf der Exkursion mit fünf Gleichgesinnten konnten in dem Land, mit der Größe eines durchschnittlichen deutschen Bundeslandes, in wenigen Tagen einige sympathische Pelzträger angetroffen werden.

Doch wie kommt es, in kurzer Zeit so erfolgreich diese als gutmütig, freundlich, naiv und einfältig geltenden Waldbewohner vor die Kameralinse zu bekommen? Einerseits hat Slowenien eine unglaublich hohe Population von 900 bis 1.000 Bären. Auf der anderen Seite werden diese vor Ort im Wald regelmäßig gefüttert um sie aus den Dörfern fern zu halten - verständlich wenn ich an die heimischen Konflikte mit Waschbären denke. Eben jene mit Mais betriebenen Fütterungen werden auch für die Tierfotografie professionell genutzt.

 

Eine amerikanische Untersuchung hat ergeben, dass eines der größten an Land lebenden Raubtiere dieser Erde eine durchschnittliche Lebenserwartung von lediglich sechs Jahren hat, obwohl es in freier Wildbahn durchaus über 20 Jahre alt werden kann. Dies liegt unter anderem am sogenannten Infantizid, bei dem die männlichen Vertreter die kleine Bären töten. Eine weitere häufige Ursache für einen frühen Tod sind Mangelernährung und Parasitenbefall.

 

Männliche europäische Braunbären wiegen zwischen 130 und 260 Kilogramm, die Weibchen sind deutlich kleiner und bringen "nur" 85 bis 120 Kilogramm auf die Waage. Obwohl Bären zu den Raubtieren gezählt werden, ernähren sich diese opportunistischen Allesfresser zu rund 80% pflanzlich. Hierbei reicht das Spektrum von Gras, Kräutern und Blättern über Wurzeln, Früchte, Blüten sowie Samen bis hin zu Beeren und Nüssen.

 

Aber auch der bekannte Honig, Insekten wie etwa Bienen, Eier, Kleinsäuger sowie Vögel stehen auf dem regulären Speiseplan. Da die großen Tiere keine guten Jäger sind, begnügen sie sich oft mit Aas, das sie mit ihrem feinen Geruchssinn auch über große Distanzen aufspüren können. Die Bären spielen eine große ökologische Rolle bei der Verbreitung von Pflanzensamen über das Fell sowie über ihre Ausscheidungen und stellen einen guten Indikator für eine weitgehend naturbelassene Waldlandschaft mit breit gefächertem Nahrungsspektrum dar. 

 

Insbesondere im Herbst werden Fettreserven für die ab Oktober einsetzende Winterruhe - zu dieser Zeit bauen sie bis zu 1/3 ihres Gewichts auf. Diese Winterruhe wird in Felshöhlen, in sehr dichter Vegetation oder unter umgestürzten Bäumen verbracht. In dieser für die Petze kargen Jahreszeit verringert sich sowohl die Körpertemperatur (um etwa 4 bis 5 Grad) wie auch die Taktfrequenz des Herzens (von 75 Schlägen auf 15 Schläge pro Minute). In dieser Zeit zehren die Bären von den Fettreserven, gehen jedoch auch zuweilen auf Nahrungssuche. Der Gewichtsverlust beträgt in etwa zwischen 25% (männliche Tiere) und 35% (weibliche Tiere mit neugeborenen Jungen).

 

Die Einzelgänger besiedeln in Europa hauptsächlich bewaldete Gebirgsregionen. Ab Ende Januar werden die Jungbären geboren - zu diesem Zeitpunkt wiegen die hilflosen Tiere nur rund ein halbes Kilo. Die Paarungszeit der neugierigen und intelligenten Tiere fällt in die Monate Mai und Juni. Ihr Sehsinn ist schlecht entwickelt, dafür sind der Gehör- und Geruchssinn besonders gut ausgeprägt. Bären können ausgezeichnet klettern, graben und schwimmen - auf kurze Distanzen erreichen die behäbig wirkenden Tiere eine Geschwindigkeit von bis zu 50 km/h.


Kommentare: 6
  • #6

    Torsten W. (Dienstag, 27 Juli 2021 20:57)

    Wow! Da ist Dir wieder ein informativer Beitrag mit super Fotos gelungen.
    Damit ist Slowenien als nächstes Urlaubsziel in die engere Auswahl gerückt.

  • #5

    Manfred Reusch (Donnerstag, 15 Juli 2021 09:25)

    Lieber Marco, wenn ich deine tollen Bilder so anschaue, würde ich am liebsten gleich nochmals losfahren. Guter Bericht und sehr gute Bilder. Hast alles prima gemacht. LG

  • #4

    Christian (Mittwoch, 14 Juli 2021 08:39)

    Sauber! Sehr tolle Fotos. Auf weitere Bilder aus Karelien freue ich mich schon. Beste Grüße, Christian

  • #3

    Ecki (Dienstag, 13 Juli 2021 19:26)

    Wunderschöne Bilder,bin begeistert..

  • #2

    Wolfgang (Dienstag, 13 Juli 2021 11:21)

    Tolle Bilder tolle

  • #1

    Elisabeth Herold, Dr. (Montag, 12 Juli 2021 23:07)

    Tolle Fotos und der Bericht über den Europa Braunbär ist sehr informativ, Danke, ich freue mich auf Deinen nächsten Beitrag